Reisebericht Gabun
Es begann alles so: ich döste im Bett und erzählte meiner Frau, dass Matthias angerufen habe. Er wolle nach Gabun und ob ich mitfahren könnte. Jetzt wusste ich weder so genau wo Gabun liegt noch, was ich das sollte. Außerdem war mein Urlaubskontingent erschöpft.
Es sollte dann doch alles anders kommen. Ich versuchte einen Reiseführer über das Land zu finden: den gab es nicht, und sogar Lonely Planst hatte nur 15 Seiten im Gesamtführer über Afrika vorzuweisen. Das machte mich neugierig. Als ich dann erfuhr, daß Lambarene in Gabun liegt, war der Entschluss zur Mitreise gefallen.
Neben Matthias fuhren noch Regula und Kasper, Ute sowie Johann, der Flame mit.
Mein Sohn Maxe schrieb in der Zeit zum Glück keine Abitursarbeiten, so dass er seinen Ferienbeginn ein paar Tage vorzeigen konnte.
Samstag:
Der Flug von Frankfurt nach Libreville war eine angenehme Überraschung. Eine Fluggesellschaft, von der wir noch nie gehört hatten „PRIVAT AIR“, ist ihrem Namen gerecht geworden. Als die uns begrüßende Flugbegleiterin gewahr wurde, dass wir ihre Sprache sprechen, wurden wir herzlicht begrüßt und ungläubig befragt, ob wir wirklich als Touristen nach Gabun fliegen wollten. Der Grund ihrer sonderbaren Frage wurde klar, als mein Sohn Maxe die Nummer 0045/2011 auf dem Visum entdeckt. In Berlin waren in den letzten 10 Monaten wohl nicht mehr Visas ausgestellt worden.
In Libreville angekommen wurde wir wirklich nach der Gelbfieberimpfung gefragt, ohne die die Einreise nicht möglich sei.
Am Ausgang empfing uns Rainer, ein seit 35a in Afrika lebender Deutscher. Vollbart, Panamahut, ein herzlichen Lachen und die Nachricht, dass die für und bereitstehenden Autos mit Paulaner Bier bestückt seine. Dazu später mehr.
Jetzt nahmen wir erste einmal die Autos in Augenschein: Ein Mercedes G, ein Touareg, das Buschtaxi, das hier Bagniolle genannt wird (zu deutsch: Schrotthaufen). Mir und Maxe wurde ein Lexus mit schier unermesslichen Ausmaßen zugewiesen.
Die Fahrt zum Hotel durch das Banlieu von Libreville war austauschbar und farblos.
Matthias sammelte uns alle an der Rezeption um wie immer zuerst die Zimmer im Anschein zu nehmen und dann zu verteilen, als ich durch die Glastuer hindurch das Meer sah. Die vom ihm geplante Überraschung war dahin als ich unter munteren Begeisterungsrufen die Terrasse direkt am Stand anpries und mir alle folgten. Die Zimmer mit direktem Zugang zum Strand waren atemberaubend. Mein Sohn ließ über Skype und diverse soziale Netzwerke direkt seinen gesamten Freundeskreis daran teilhaben.
Während das Abendessens stellte uns Rainer seine Frau Ulla und die 2 Söhne vor. Staunend lauscht ich den Erzählungen über die letzte Woche eröffnete Currywurstbude „La Pantera“, la premier et la seule, die Ulla betreib. Nächste Woche sollte sie das Catering für die Feierlichkeiten der deutschen Botschaft zum Anlass des Tags der deutschen Einheit bestreiten. Die waren auf den 6.10. verlegt worden, dass sein praktischer, da könne man mit den Koreaner zusammenfeiern. War mir da bislang etwas entgangen?
Sonntag
6.00 Aufstehen, Autos packen um dann um 7.00 ein typisch französischen Frühstück einzunehmen. Aber Matthias wusste schon warum er uns so früh weckte, die Zeitangaben für die geplante Fahrstrecke in den Süden von Gabun sollten sich verdoppeln.
So trafen wir erst gegen Mitternacht in Moabi ein.
Das Bagniol machte seinem Namen alle Ehre: Die Batterie drohte Herhauszufallen, das Hinterrad schliff weil es falsch montiert wurde, die Scheibenwischer fielen im stärksten Tropenregen aus, die Klimaalnage war sowieso defekt und schließlich fielen auch die Scheinwerfer auf der schlammigen Dschungelpiste aus. Aber nicht umsonst hat das Buschtaxi den Ruf, überall und immer zu fahren: neue Reifen wurden entlang der Route aufgezogen, die Batterie mit Spanngurten gesichert, der Scheibenwischermotor kurzum direkt an der Batterie angeschlossen, die fehlende Wasseranlage für die Frontscheibe mit Wasserflaschen kompensiert. Wie die Scheinwerfer repariert wurden weiß ich nicht, aber es funktionierte.
Die einzig geplante Rast war am Äquator, wo Rainer uns mit 2 Flaschen Champagner überraschte.
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Montag
Die Nacht haben wir im Hause des Bürgermeister von Moabi Olivier Badinga verbracht, der es kaum abwarten konnte, uns nach dem Frühstück durchs Dorf zu führen. Jedermann schätzte sich glücklich uns willkommen zu heißen, wir trafen viele freie Menschen in einem freien Land, scherzten, lachten, zollten uns gegenseitig Respekt.
Maxe zeigte CombaComba, einem etwa 6 jähriger Schuljunge, den Gebrauch von Seifenblasen. Ich stellte befriedigend fest, dass er langsam seine Abneigung gegen das französisch Sprechen ablegt.
Nach dem Mittagessen, das aus schmackhaftem Huhn und frittierter Banane bestand, brachen wir zu den Pygmäen auf.
Abgeschiedenere Gegenden sind kaum vorstellbar, 35 km auf schlammiger Piste, die nicht einmal diesem Namen gerecht wird. Die Ankunft war freudig, natürlich wurde zuallererst das Dorfoberhaupt besucht.
Gemeinsam mit ihm liefen wir das etwa 3km lange Dorf entlang, dass aus einfachen Holzhütten bestand. Freudig wurden wir begrüßt und zu einem Platz auf einem Hügel geführt, welcher zuvor durch Tore aus Palmenzweigen markiert wurde. Oben angelangt hatte man traditionelle Behausungen aufgebaut aus der Zeit vor dem Wellblech. Das diffizile Handwerk, Blätter zu absolut regendichten und bequemen Unterkünften anzufertigen, hatten die Pygmäen nicht verlernt. Wir waren beeindruckt von der bestechenden Schönheit der Blätterkonstruktion.
Auf dem Weg zurück demonstrierte man uns das Pressen von Zuckerrohr, kosteten am vergorenen Endprodukt und setzten den Weg fort zum abendlichen Versammlungspunkt der lokalen Papageien. Begleitet wurde ich von einem lebhaft erzählenden Pygmäen, der in Libreville studiert und wegen eines dort nicht diagnostizierbaren medizinischen Problems in seinem Heimatdorf traditionell behandelt wurde. Das ließ mich unweigerlich an AIDS denken, das sei aber ausgeschlossen worden. Er erzählte von seinem Großonkel, der ein guter Freund des Papageienchefs gewesen sein. Alle wichtigen Entscheidungen seinen gemeinsam mit den Papageien getroffen worden. Ich war zu kurz in Afrika um das gedankenlos hinzunehmen, vielleicht war sein Problem auch nicht organischer Natur.
Innerhalb von 15 Minuten war es stockdunkel, bei Kerzenschein wurde ein Abendmahl gereicht: Maniok, Bananen, die aber am Geschmack nicht als solche zu erkennen waren sowie ein dunkles sehr würziges Fleisch. Es sei "porc epic", sagte man uns, also eine stacheliges Schwein! Die Pygmäen sind als gute Jäger bekannt.
Den Weg zurück zum Hügel nahmen wir mit dem Auto. Der palmenwedelbesäumte Weg war hell illuminiert, vom Hügel erklangen Trommeln. Wir wurden geleitet durch einen mit brennenden Baumfackeln beleuchteten Weg. Die Fackeln waren aus Blättern gefaltete Gefäße gefüllt mit Baumharz. Offenes Feuer im Wald, na gut, die Pygmäen schienen zu wissen was sie tun. Oben angekommen wurden wir unter eckstatischem Trommel zu den für uns vorgesehenen Sitzen geleitet. 8 Frauen saßen vor einem Bambusrohr und bearbeiteten diese mit jeweils 2 Holzschlegeln, 2 weitere TamTams wurden von jungen Männern bearbeitet.
Dazu tanzte ein mit Asche bemalter Mann in Federkostüm und Schellen am Leib, ich musste unweigerlich an einen Epileptiker im Anfall denken. Die Rhythmen waren hypnotisierend, der Duft nach brennendem Harz tat sein übriges: es war unbeschreiblich und darum möchte ich es hier erst gar nicht versuchen. Als Dank für die Gastfreundschaft hatten wir Reis, Zucker und Werkzeuge geladen und übergaben alles den Pygmäen.
Die Rückfahrt in absoluter Dunkelheit war, wie der Belgier Johann bemerkte, charmant. Es hatte wirklich seinen ganz eigenen Reiz, dem auch ich mich nicht entziehen konnte. Zwar hatten wir uns vorgenommen, eben dieses zu vermeiden, aber ich hätte die Fahrten auf schwarzen Pisten vermisst. Unterwegs kam uns ein Pygmäe mit Flinte und einer Taschenlampe entgegen, eine Melodie laut summend. Er ginge auf die Jagt, erklärte und Olivier.
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Dienstag
Ausschlafen war angesagt. Ich hatte das Nachtlager in einem der Dachzelte bezogen, die auf den Autos montiert waren. Mir gleich taten es das Schweizer Paar Kasper und Regula. "Jetzt kann ich mit Regula endlich mal in die Kiste gehen!", war die Bemerkung vom unvergleichlichen Kasper. Er ist Landrat mit Villa am Zürichsee, verbringt aber 2 Tage/Woche im LKW auf der Straße oder auf dem Schrottplatz seiner Verwandschaft. Die Dachzelte waren sehr bequem, gemütlich und zogen die Aufmerksamkeit der lokalen Bevölkerung auf sich; ab 8.00 war es aber zu warm zum Ausschlafen.
Das französische Frühstück mit lokal auf Feuer gebackenem Baguette und Marmelade wurde vorausschauend von Matthias mit Wurst und Käse aufgewertet. Wir baten um ein frühes Mittagsessen, was aber an dem radikal anderen Zeitverständnis zwischen Afrika und Europa scheiterte. Sowieso war es faszinierend, wir der weise vorausplanende Matthias mit den afrikanischen Unwägbarkeiten umging, und ebenso umgekehrt. Olivier Badinga versuchte erfolgreich zwischen den Welten zu vermitteln und versuchte die Fragen von Matthias nach "Wie lange, wie weit, wann usw. ???". möglichst genau, meistens sehr diplomatisch zu beantworten.
Währenddessen war Gelegenheit, die gerahmten Familienphotos im Bürgermeisterhaus in Augenschein zu nehmen: Oliviers Vater war als 8 jähriger Vollweise geworden und hatte von Albert Schweizer durch Holzarbeiter gehört. Also machte er sich auf einen 2 wöchigen Marsch durch den Dschungel, die eingepackten Maniokreserven reichten für 4 Tage. Nun hatten sich die Dörfer zur Angewohnheit gemacht, Maniokreste im Fluss für vorbeiziehende Wanderer bereitzulegen, die sich dort über Wochen hielten. Damit schaffte er es nach Lambarene. Dort wurde er von einer Frau entdeckt, als er sich im Unterholz verbarg. Sie schickte ihm mit Seife, die er zuvor noch nie gesehen hat, zum Waschplatz, gab ihm Kleider und eine Schlafstelle. Als sie am kommenden Morgen die gefegte Hütte sah nahm sie ihn auf und er wurde der erste dunkelhäutige Priester in Südgabun. Sein Sohn, eben jener uns begleitender Olivier, war lange Jahre Buergermeister von Moabi und wurde allerorts respektvoll als Le Maire angesprochen.
Es wurde schmackhafter Fisch und Maniok gereicht, danach war es Zeit für eine Fahrt in den ersten Nationalpark. Die Strecke, welche in 40 Minuten befahren werden sollte, benötigten wir das Doppelte. In weiser Voraussicht hatte Matthias das bereits eingeplant, um gegen Abend im Park zu sein, dann, wenn die Tiere den Wald verlassen würden. Tatsächlich sahen wir Antilopen und Büffel, aber leider nicht die ersehnten Elephanten. Die Fahrt endete an einer defekten Brücke. Hier wartete der Fahrer einer japanischen Forschgruppe, die im Urwald lebten und 2 Gorillafamilien beobachten. Die Erlaubnis zum Besuch gäbe es in Tschibanga, wir ließen und die Telefonnummern und Namen geben und hoffen auf ein Wiederkommen. Gabun ist für seine große Population an Flachlandgorillas bekannt, die in den Nationalparks optimale Lebensbedingungen finden.
Zurück in Moabi erwartet und ein gutes Essen am Lagerfeuer. Es standen Trommeln bereit, aber wir waren einfach zu müde. Zumal Matthias wegen Unwägbarkeiten auf der Strecke um 6.00 aufbrechen wollte.
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Mittwoch
Tatsächlich waren wir um 6.00 auf der Piste. In Tschibunga wurde getankt, danach bogen wir rechts irgendwo in den Wald ein. Eine Beschilderung gibt es nicht, so dass wir auf die Ortskundigen unter uns absolut angewiesen waren. Die Strecke war anspruchsvoll, schnell endete der Lehm und wurde durch Sandpiste ersetzt. Die Autos hatten schwer zu kämpfen und Matthias forderte uns beim nächsten Stopp auf, die Motoren mit offener Kühlerhaube noch 5 min laufen zu lassen. Halt gebot ein Fluss, der mit einem Schwimmponton im Selbst-Fährbetrieb überquert werden wollte.
Der erste Versuch scheiterte, da wir das Floss zu nah ans Ufer gefahren hatten und das Gewicht des Autos in den Sand drückte. Der 2. Versuch gelang, und so konnten wir schließlich alle 4 Autos herüberschiffen. Ein zweiter Fluss wurde über einige Kilometer mit einem motorbetriebenen Ponton überbrückt.
Angekommen in Gamba Port überraschten uns die 2 modernen Schlepper, die an einer Pier vertäut lagen. Es handele sich um einen Hafen für die Versorgung der Ölanlagen in Gamba, erklärte uns Reiner. Tatsächlich waren die 50 km Piste bis Gamba gut ausgebaut. Hier erwartete und eine angenehmes Hotel, welches von einem Franzosen betreiben wurde. Es wurde exzellenter Fisch und französischer Weißwein gereicht. Ein Angelkollege von Rainer leistet uns Gesellschaft und hatte den lokalen Beauftragten des WWFs und der Noango Nationalparks mitgebracht. Er klärte und über den morgigen Tag und die Struktur der Parks auf. So erfuhren wir, dass 33% der Eintrittsgelder an die lokale Bevölkerung gehen, um die Ausfälle durch das Jagdverbot zu kompensieren.
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Donnerstag
Die sandige Piste nach Sette Cama befand sich genau zwischen einer Lagune und dem Atlantik. Die Fahrt bereitete große Fahrfreude, linkerhand konnte zwischen Palmen der Atlantik ausgemacht werden, rechts lag die Lagune. In Sette Cama endete die Landzunge in einem dschungelbestandenem Sandstrand. Wir bezogen das kommunale Gasthaus, richteten uns mit den üblichen Mosquitonetzen ein. Nach einem Bad am bis zum Horizont reichenden menschenleeren Stand in hohen Atlantikwellen wartete das Mittagessen, bestehend aus Barrakuda, der lokal gefangen wurde.
Am frühen Nachmittag erwartete und eine Pirogue. Auf dem Weg zum Rendezvous zwischen der Lagune und den Wellen des Atlantik drehte das Boot plötzlich ab, als eine Elephant im dichten Wald ausgemacht wurde. Wir wunderten uns, dass er sich auf der schmalen Landzunge aufhielt und lernten, dass Elephanten schwimmen können. Keine zwei Minuten später trafen wir auf eine Gruppe von Flusspferden. Mit Respekt näherten wir uns den Tieren, die zwar Vegetarier sind, aber die häufigste Ursache für Todesfälle durch Tiere sein sollen. Weit vor Löwen oder sonstigen Raubtieren. Tagsüber liegen sie im Wasser, die Nacht verbringen sie fressend an Land. Weit ging es durch mangrovenbestandene Flussarme, verwunschen, eigenartig schön und übermächtig üppig. Wieder in Atlantiknähe legte das Boot an; es hatte gegen die hohen Wellen keine Chance.
Am Stand entdeckte ich einen Walwirbel von etwa 1 Meter Breite. Für mich als Neurochirurg unermessliche Ausmaße, wo ich diese Strukturen sonst nur unter dem Mikroskop betrachte.
Hier war die Anwesenheit von Elephanten unübersehbar, der Strand war übersäht mit ihren Hinterlassenschaften. Das war der Ort, an dem die einzigartigen Aufnahmen von am Strand badenden Elephanten gemacht wurden, leider machten sie sich bei unserer Anwesenheit rar. Dafür sahen wir Büffel. Einer schien verletzt zu sein: er suchte die heilsame Wirkung des Salzes, erklärte und ein Guide.
Der Abend wurde lang, dazu trug das Paulanerbier und die Geschichten von Rainer gleichermaßen Anteil. Es war eine Freude, seinen Erzählungen aus 35 Jahre Leben in Afrika zu lauschen: Wie erkennt man, dass eine Flasche Schnaps heimlich verdünnt wird? Sie beginnt in der Kühltruhe Eis anzusetzen. Oder wie in einem deutschen Restaurant, dass er einst in Ghana betrieben hatte, Fleisch verschwand und keiner dahinter kam, wie das passieren konnte. Bis dass der Maler die Küche renovierte und einen herausgelösten Backstein fand, der eine Durchreiche zum Nachbarn war. Oder von der Zeit in Mali, als es sich einen Affen gehalten hatte. Der horte auf den Namen Fritze. Als Reiner für einige Tage geschäftlich unterwegs war erklärte man ihm bei der Rückkehr, der Fritze sei entlaufen. Wahrscheinlicher ist, dass er verspeist wurde.
Pointiert wurden die unterschiedlichen Charaktere von Rainer und Matthias benannt: Reiner, nach vielen Jahren in Afrika gelassen, das wird schon, dann eben morgen und Matthias als Perfektionist, der alles im Vorfeld geplant haben möchte. Was bei seinen vorhergehenden Unternehmungen eine unabdingbare Voraussetzung für das nackte Überleben war, ergänzte sich hier mit der Gleichmütigkeit von Rainer zu einem prima Team.
Ich lag schon lange im Bett als Maxe gegen 2.00 das Licht anmachte. Er hatte mit Reiner gezecht, ihm blieben noch 3 Stunden Schlaf. Damit war klar, wer sich am nächsten Morgen hinter das Steuer setzten durfte.
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Freitag
Sette Cama -> Muelia
Es war noch Dunkel als wir geweckt wurden. Die Autos waren zügig gepackt, Matthias bestand auf eine kurzen Frühstück. Dafür hatte er zu oft Teams erlegt, die mit leerem Magen vor plötzlich auftauchenden Problemen standen. Das wollte er nie mehr erleben. In Gamba war im Hotel ein 2. Frühstück mit Blick auf die Lagune organisiert.. Danach wurden die Schlammpisten; es hatte die Nacht heftig geregnet, von Staub abgelöst. Wir fuhren an der Grenze der Reichweite unserer Funkgeräte, um nicht im Staubnebel die nächte Kurve zu übersehen. Auf dem Weg trafen wir auf einen CampingLastwagen. Er entpuppte sich als die fahrende Wohnstätte eines Schweizers, der nach 22000km dem Ziel Südafrika nahe war. Der Wagen verfugte über eine Waschmaschine und eine gute Kaffeemaschine.
Nach 380 km Piste war das gute Hotel in Muelia mehr als willkommen.
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Samstag
Ausschlafen in Muelia. Maxe bedauerte, die letzten 2 Bundesligaergebnisse verpasst zu haben. Ich hatte kein einziges mal das mitgebrachte Buch geöffnet, dafür aber lebhafte Diskussionen mit Rainer über Möglichkeiten der Arsenextraktion des Trinkwassers in Bengalen, vom Rumimport bis dahin, dass Reiner mir seine Olivenplantage in Marocco verkaufen wollte.
Mittags trafen wir in Lambarene ein. Für mich ist das eine Art Pilgerstelle, der Satz: "Das sieht hier aus wie in Lambarene." ist in Kliniken allgegenwärtig. Wie auch ich zuvor wissen die Wenigsten, dass Lambarene in Gabun liegt. Ich rezitierte über Albert Schweizer und seinem Werk aus Wikipedia: ein faszinierende Persönlichkeit, der visionär die Probleme der Aufrüstung, des Nationalsozialismus und der Kolonialzeit beschrieb. Neben der Theologie und Medizin erlang er eine 3. Dissertation über Orgelbau. Erstaunt hat mich der Titel seiner medizinischen Habilitation: die psychiatrische Beurteilung von Jesus Christus.
Das alte Krankenhaus lässt sich förmlich der alten Pioniergeist atmen. Das Grab von Albert Schweizer ist ebenso unscheinbar wie die anderen Gräber, auch das passt zu seiner Persönlichkeit. Etwas entsetzt waren wir über die an Slums erinnernden Lebensbedingungen im Village lumiere, das Dr. Schweizer für Leprakranke vom Geld des Friedensnobelpreis errichten ließ. Hier wohnen kaum noch Lepröse, dafür vermutlich andere chronisch Kranke, was in Afrika in der Regel HIV krank bedeutet. Die AIDS Rate betrüge in Gabun etwa 5%, im Vergleich zu anderen Ländern hier auffallend niedrig. Insbesondere die 2 Ärzte im Team fragten sich, ob sie hier karitativ tätig werden wollten. Angesichts der Reichtums des Landes bzw. der regierenden Kaste eine zweischneidige Frage.
Das reguläre Krankenhaus war in Chirurgie, Geburtshilfe, Pädiatrie und OP Trakt unterteilt. Einem ungeschreiebenen Gesetz folgend waren alle Tafeln oder Bilder schief aufgehängt: Thermometer seinen bei der Direktion für 1,4 Euro erhältlich, jedes Neugeborenen hat Anrecht auf ein Mosquitonetz für 2 Euro zu erstehen. Eine sehr anschauliche Tafel über die Ernaehrung von Neugeborenen oder Lehrtafel der Verbreitung und Vorbeugung von HIV hatten es mir angetan.
Zum Abendessen trafen wir Dr. Bertrand Lell, der seit 15 a an der hiesigen Forschungsstation arbeitete. Derzeit wird neben 7 anderen Stellen auf der Welt ein Malariaimpfstoff eingesetzt. Der Impfschutz betrage etwa 50-60%, was angesichts der hohen Erkrankungsrate gut sei.
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Sonntag
Das Frühstück nahmen wir unter dem Portrait von Albert Schweizer ein. Dr. Lell holte uns um 8.00 Uhr ab und zeigte uns sein Labor. Er leitet ein internationales Team von 150 Mitarbeiter und ist erstaunlich gut ausgestattet. Problematische sei insbesondere der Fuhrpark der 7 Autos, die entweder defekt seien oder in einem Unfall verwickelt waren. Dabei sollten die etwa 50 Autowracks, die unsere Strecke nach Libreville säumen, Warnung genug sein.
Sind sie aber nicht. Maxe musste das Steuer immer wieder abrupt nach rechts reißen, als eine entgegenkommendes Fahrzeug ohne Not auf unsere Fahrbahnseite zog. Den Ritterschlag verdiente er sich aber in Libreville, als er den mächtigen Lexus sicher durch das Stadtgewusel lenkte. Bei Reiner angekommen sicherten wir das Gepäck, um sogleich zur Fähre zum Point Denise aufzubrechen. Das Boot entpuppte sich als Schaluppe und alles wurde durchnässt. Versöhnlich stimmte der sich nähernde karibische Sandstrand: Palmenbestandener, feinster weißer Sand. Auch einer näheren Prüfung hielt der Strand stand, den wir zudem ab 15.00 für uns alleine genießen konnten. Die Wochenendurlauber waren abgereist und Touristen gab es keine. Am Boot trafen wir eine Gruppe junger Deutscher, die sich als Mitarbeiter von Bertrand aus Lambarene entpuppten. Sie waren auf dem deutschen Botschaftsempfang gewesen und berichteten von der guten Currywurst: Ulla hatte Ihren Wagen auf das Gelände des Botschafters geschafft und das Catering gemeistert. Das war wohl so gut dass sie einen direkten Folgeauftrag bei der spanischen Botschaft erhielt.
Baden, Lesen, Klönen, Essen Bier trinken. So klang der Abend aus.
Montag
Unser Abreisetag.
Quad
Curry Wurst
Einkauf
Verabschiedung





























