Schmerztherapie
Die Schmerztherapie ist ein sehr umfangreiches Gebiet. Neben der balancierten medikamentösen Therapie bieten wir eine Vielzahl von minimal invasiven Behandlungen an, welche die Schmerzursache gezielt ausschalten. Warum den ganzen Körper mit Medikamenten fluten, um an genau der Stelle des Schmerzes eine Wirkung zu erzielen? Da ist es logisch, das Medikament in einer hohen Dosierung direkt an den Ort der Schmerzentstehung zu applizieren.
Der Behandlung von komplexen oder chronischen Schmerzsyndromen haben wir ein eigenes Kapitel gewidmet. Wir arbeiten dabei mit dem Deutschen Schmerzfragebogen, der ausgewertet und gemeinsam mit Ihnen besprochen wird. Hiermit ist die derzeit beste Schmerzklassifizierung möglich, um Ihnen eine optimale Therapie zu bieten.
Therapiemöglichkeiten
Konservative Therapien
Medikamentöse Behandlung
Wir werden Sie fragen, welche Medikamente Sie einnehmen, eingenommen haben und wie diese gewirkt haben. Dann wird der medikamentöse Behandlungsplan erstellt und ausführlich besprochen. Dabei werden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt. Es kommen verschiedene Präparate wie Antiphlogistika, Morphine, Neuroleptika und auch Antidepressiva in einem festen Stufenschema zum Einsatz.
Hier das Schufenschema der WHO:
Stufe 1: Nicht-opioides Analgetikum, ggf. in Kombination mit Adjuvanzien
Stufe 2: Schwaches Opioid, ggf. in Kombination mit nicht-opioiden Analgetika und/oder Adjuvanzien
Stufe 3: Starkes Opioid, ggf. in Kombination mit nicht-opioiden Analgetika und/oder Adjuvanzien
Antiphogistika:
= NSAR, nichtsteroidale Antirheumatika,
Beispiele: Aspirin, Paracetamol, Diclofenac, Novamin, Ibuprofen
[LINK] bei Wikipedia
-> Wirkung:
Hemmen Entzündungsreaktionen wie Schmerzen, Schwellung und Fieber, wirken am Ort der Entstehung.
-> Indikationen:
Schmerzen, Arthroseschmerzen, nozizeptiver Schmerz
-> Nebenwirkungen:
Magenentzündung, Darmbluten, cardiale Nebenwirkungen
-> Sonstiges:
Wirken nicht im Gehirn. Machen nicht müde.
Kortison:
= steroidale Antirheumatika
[LINK] bei Wikipedia
-> Wirkung:
Entzündungshemmend, abschwellend, in hohen Dosen immunsupressiv
-> Indikationen in der Schmerztherapie:
Nerven- oder Rückenmarksschwellungen (Myelopathie, Rheuma)
-> Nebenwirkungen:
Magenentzündung, Gewichtszunahme, Hautveränderungen, Schwitzen, Gesichtsrötung, Blutzuckeranstieg
-> Sonstiges:
Bei lokaler Injektion sind Nebenwirkungen selten. Bei Diabetes sehr zurückhaltend anwenden.
Opiate:
= Opioide, Morphine
Beispiele: Tramadol, Tilidin, Codein, Morphin, Schmerzpflaster
[LINK]bei Wikipedia
-> Wirkung:
Hemmen Schmerzen im Gehirn und Rückenmark. Wirkung über spezielle Rezeptoren, an die sich auch körpereigene Sustanzen (Endorphine) binden.
-> Indikationen:
starke Schmerzen, Arthoseschmerzen, nozizeptiver und neuropathischer Schmerz
-> Nebenwirkungen:
Verstopfung, Gewöhnung, Müdigkeit
-> Sonstiges:
In der Gewöhnungsphase dürfen keine Maschinen bedient oder Auto gefahren werden.
Nervenblockaden
Geht der Schmerz von einer Nervenwurzel aus, kann dieser mit der Gabe eines Gemisches von Schmerzmedikamenten direkt am Ort des Geschehens behandelt werden. Dazu wird eine dünne Nadel unter Röntgenkontrolle in die Nähe des betroffenen Nervs gebracht und der Schmerz ausgeschaltet.
Anwendungsgebiete:
-ausstrahlende Rückenschmerzen an der gesamten Wirbelsäule
-Nacken- und Hinterkopfschmerzen
-Interkostalneuralgien an der Brustwirbelsäule (gürtelförmig ausstrahlender
Brustkorbschmerz)
-Behandlung von Restrückenschmerzen (Failed back-syndrom) nach
Bandscheibenoperationen
-Periphere Nervensyndrome, einschließlich narbenbedingter Nervenschmerzen
Verfahren:
Der Eingriff erfolgt ambulant und dauert etwa 10 min. Unter genauer Röntgenkontrolle erfolgt eine Injektion von Depot-Cortison und einem lokalen Betäubungsmittel, um die Entzündungsreaktionen zu blockieren.
Wichtige Information:
- Je nach Ausgeprägtheit des Krankheitsbildes zeichnet sich dieser Eingriff durch eine hohe Erfolgsquote aus.
- In den meisten Fällen hält die Schmerzlinderung bzw. die Schmerzfreiheit mehrere
Monate an.
- Je öfter die Blockade erfolgt, umso erfolgreicher ist sie.
- Kombination mit anderen Verfahren möglich.
- Es kann zu einer Schwäche der betreffenden Muskulatur für ca. 1 Stunde kommen, das ist der Effekt des lokalen Betäubungsmittels.
Facettenblockade
Hierbei werden die Gelenke und die Gelenkkapseln behandelt. An der Wirbelsäule befinden sich 52 Gelenke, jedes davon kann Schmerz verursachen. Vielleicht kennen Sie einen verstauchten Finger, der über Wochen schmerzt, genau so ist es auch an unserer Wirbelsäule.
Eine differenzierte Diagnose, um welche Form des Rückenschmerzes es sich handelt, erfolgt vor jeder Behandlung, so auch die Bestimmung des Schmerzauslösers.
-,Rückenschmerzen (Facettensyndrome) an der gesamten Wirbelsäule
-,Nacken- und Hinterkopfschmerzen
-,Leisten- und Ileosakralgelenksschmerz
-,Behandlung von Restrückenschmerzen (Failed back-syndrom) nach
Bandscheibenoperationen an der LWS (ausstrahlend)
-,Periphere Nervensyndrome, einschließlich narbenbedingter Nervenschmerzen
-,Epicondylitiden (Tennisellenbogen, Golferellenbogen)
Verfahren:
Der Eingriff erfolgt ambulant und dauert je nach Anzahl der zu behandelnden Gelenke 10-20 min. Unter Röntgenkontrolle erfolgt die Injektion eines Depot-Cortison und eines lokalen Betäubungsmittel. Der Effekt ist zumeist bereits nach 30min spürbar.
Kryotherapie
Im Unterschied zur Injektion von Medikamenten wird hierbei mit Kälte gearbeitet. Der Effekt ist nicht stärker, hält aber deutlich länger an.
Nach einer örtlichen Betäubung der Haut wird die Kältesonde platziert. Die korrekte Lage wird mittels Röntgen und Elektrostimulation kontrolliert. Erst dann wird die Sondenspitze auf -60°C abgekühlt. Der Effekt wird durch die gezielte Vereisung der Schmerznerven erzielt.
Thermokoagulation; Hitzesonde
Der Eingriff verläuft analog der Vereisung, nur dass anstelle von Kälte Hitze zum Einsatz kommt. Ein vergleichbarer Effekt wird durch die Laserbehandlung erreicht.
Wichtige Information:
- Je nach Ausgeprägtheit des Krankheitsbildes zeichnet sich dieser Eingriff durch eine hohe Erfolgsquote aus.
- In den meisten Fällen hält die Schmerzlinderung bzw. die Schmerzfreiheit mehrere
Monate an.
- Je öfter die Blockade erfolgt umso erfolgreicher ist sie.
- Kombination mit anderen Verfahren möglich.
- Es kann zu einer Schwäche der betreffenden Muskulatur für ca. 1 Stunde kommen, das ist der Effekt des lokalen Betäubungsmittels.
TENS
Transkutane elektrische Nervenstimulation
Was tun Sie wenn Sie sich gestoßen haben? ....Sie reiben an der Stelle!
Ähnliches macht das TENS-Gerät: Die Haut wird elektrisch stimuliert. Das führt zu einer direkten Schmerzblockierung und Aktivierung von zentrale Endorphinen. Es gibt so gut wie keine Nebenwirkungen bei sachgerechter Anwendung.
Video [LINK] zur TENS Therapie
Lasertherapie
Anders als bei den vorgenannten Verfahren wird hierbei der Bandscheibenschmerz behandelt. Dazu wird eine 1 mm dicke Sonde in die Bandscheibe vorgeschoben und die Schmerznerven verödet. Duch das Veröden von hervorgequollenem Bandscheibengewebe können auch Bandscheibenvorfälle behandelt werden.
Eine differenzierte Diagnose, um welche Form des Rückenschmerzes es sich handelt, erfolgt vor jeder Behandlung, so auch die Bestimmung des Schmerzauslösers.
- Bandscheibenvorfälle ohne gravierenden neurologischen Ausfall
- Rückenschmerzen an der gesamten Wirbelsäule
- Nacken- und Hinterkopfschmerzen
- Leisten- und Ileosakralgelenksschmerz
- Behandlung von Restrückenschmerzen (Failed back-syndrom) nach
Bandscheibenoperationen
- Epicondylitiden (Tennisellenbogen, Golferellenbogen)
Wichtige Information:
- Je nach Ausgeprägtheit des Krankheitsbildes zeichnet sich dieser Eingriff durch eine hohe Erfolgsquote aus.
- In den meisten Fällen hält die Schmerzlinderung bzw. die Schmerzfreiheit mehrere
Monate bis Jahre an.
- Kombination mit anderen Verfahren möglich.
Definition
Schmerz ist das, was der Patient als solchen empfindet.
Chronischer Schmerz ist ein zeitlich länger andauernder Schmerz, wobei der genaue Zeitrahmen unterschiedlich definiert wurde, typischerweise drei bis zwölf Monate. Länger dauernde Schmerzen können sich in ein chronisches Schmerzsyndrom mit eigenem Krankheitswert entwickeln. Die Schmerzen haben dann ihre Leit- und Warnfunktion verloren. Diese Schmerzkrankheit ist neben den organischen auch durch die daraus folgenden bio-psycho-sozialen Veränderungen definiert, die in die integrative Schmerzbehandlung einfließen müssen.
Chronische Schmerzen haben - im Gegensatz zu akuten - fast nie nur eine einzige auslösende oder unterhaltende Ursache, sie sind multikausal. Die Behandlung mit typischen Analgetika alleine ist für chronische Schmerzen nicht ausreichend!
Schmerzgedächtnis
Chronische Schmerzen werden erlernt. Die sich abspielenden Prozesse werden auch als Schmerzgedächtnis bezeichnet.
Nervenzellen können lernen. Wenn wir ein Gedicht auswendig lernen, müssen wir es ständig wiederholen; wenn Schmerzen immer wieder auftreten, werden auch diese Lernvorgänge auslösen.
Akute Schmerzen sind überlebenswichtig, sie bewahren uns vor Schaden.
Bei immer wieder auftretenden Schmerzen lenkt das Gehirn seine Aufmerksamkeit darauf: da ist irgendetwas nicht in Ordnung, da muss ich mal genauer hinschauen. In der Folge wird die Schmerzschwelle am Ort der Schmerzen erniedrigt, die Schmerzimpulse zum Hirn anderen Impulsen vorgezogen und schneller zum Hirn geleitet. Und auch das neuronale Netzwerk im Hirn ändert sich: so werden schmerzhafte Areale auf der Hirnoberfläche größer repräsentiert.
Mit der Zeit kann es vorkommen, dass es keine Ursache für den Schmerz mehr gibt, die Schmerzen aber weiter wahrgenommen werden. Es können dann normale Berührungen als schmerzhaft empfunden werden oder der Schmerz breitet sich sogar auf andere Körperregionen aus.
Das System ist dann mit einem übersteuerten Verstärker zu vergleichen, wo kleine Geräusche berits eine massive Übersteuuerung auslösen.
Neurowissenschaftler kennen die zugrundeliegenden molekularen und zellbiologischen Zusammenhänge:
- Änderung des neuronalen Netzwerkes
- biochemischen Veränderunge der Nervenzellen und der Synapsen
- Anpassung der Schmerzsensoren
Ganz wichtig: Die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses ist etwas ganz normales, manche Personen sind aber bevorzugt davon betroffen. Sicher hat es nichts mit einer erhöhten Empfindlichkeit (Weichei) zu tun. Auch "stellt sich keiner an", der unter chronischen Schmerzen leidet.
Therapien:
Bei der Beschäftigung mit chronischen Schmerzen werden Sie immer wieder auf den Begriff der "multimodalen Therapie" stoßen. Das bedeutet nichts anderes als dass es nicht die EINE Therapieform gibt, sondern aus einem ganzen Bündel die jeweils passende herausgesucht werden muss.
Aufklärung:
Für uns ist die Aufklärung ein ganz entscheidender Punkt. Dafür muss die Zeit da sein. Wenn sich im Gespräch der Verdacht auf einen chronischen Schmerz stellt, wird das offen angesprochen und erklärt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich dabei um einer Erkrankung handelt, für die der Betroffene nichts kann. Niemand mit solch einer Erkrankung " stellt sich an" ! Gerne verweisen wir auf einschlägige Internetseiten unter den Schlagworten:
- chronischer Schmerz
- chronisches Schmerzsyndrom
oder auf unserer Seite [LINK].
Danach werden weitere Gespräche geführt und Fragen beantwortet. Das Konzept des chronischen Schmerzsyndromes ist schwierig zu verstehen, und schon gar nicht beim ersten Arzt/Patientenkontakt.
Stigmatisierungen machen es noch schwieriger, ebenso das eigene Wertesystem. Aussagen wie: "Stell dich nicht so an. Reiß dich mal zusammen. Andere machen das doch auch und haben es viel schwerer" oder "Früher habe ich das doch auch geschafft. Ich muß dagegen angehen" sind bekannt und zeugen von Unwissen.
Schwierig ist auch zu verstehen, dass es sich nicht um eine psychiatrische Erkrankung handelt, dass aber die Psyche eine große Rolle spielt. In der modernen Schmerztherapie gibt es keine Trennung zwischen Psyche und Körper. Beides wird als Einheit gesehen, beides steht in einer intensiven Wechselwirkung.
Dazu ein Auszug aus einer Auswertung von Studien über die Entwicklung von chronischen Rückenschmerz der Bertelsmann-Stiftung:
"-> Beim Übergang vom akuten zum chronischen Rückenschmerz spielen diverse
psychosoziale Faktoren eine entscheidende Rolle.
-> Anhand dieser Faktoren lässt sich das Risiko für chronische Rückenschmerzen
besser voraussagen als anhand der physischen Faktoren."
Mit anderen Worten: In manchen Fällen ist sind die psychosozialen Faktoren wichtiger als die körperlichen Faktoren. Schmerz wird demnach heute als Bio-Psycho-Soziale Erkrankung aufgefasst.
Medikamentöse Therapie:
Sie haben im Therapieplan einen festen Platz und müssen dem individuellen Schmerz angepasst werden. Gelegentlich reicht ein Medikament allein nicht aus. Im Kapitel der Schmerztherapie [LINK] finden Sie mehr zu den einzelnen Wirkstoffen.
Nach den Leitlinen der Fachgesellschaften kommt frühzeitig ein niedrig dosiertes Antidepressivum zum Einsatz. Die in der Schmerztherapie verwendete Dosis liegt unter der antidepressiv wirksamen Dosis, und der Einsatz heißt nicht, dass Sie depressiv sind. Das Medikament beinflusst aber die Schmerzwahrnehmung im Gehirn positiv.
Interventionelle Therapien:
Sie haben je nach Beschwerden einen festen Platz im Therapieplan, werden aber bei einem Ganzkörperschmerz eher selten Einsatz finden.
Nervenblockaden
FacettenblockadenLasertherapie
Elektrostimulation
Schmerzpumpeweitere Therapie
Bewegung:
Eine tägliche Bewegungseinheit ist ein Grundpfeiler der Therapie. Schmerzen entstehen, wenn der menschliche Körper sich zu wenig oder zu viel bewegt. Wir empfehlen die Aufnahme einer Ausdauersportart, am Besten in einem Verein oder Fitness-Zentrum.
Akupunktur:
Eine Methode praktisch ohne Nebenwirkungen. Nach unserer Erfahrung kann bereits nach 2 Sitzungen beurteilt werden, ob Sie von der Therapie profitieren werden.
Weitere Therapien
Von uns wird angeboten:
- Akupunktur
- Botulinustoxin Infiltration
- Neuraltherapie
- lokale Nerveninfiltrationen
- Psychosomatische Grundversorgung
Die folgenden Verfahren werden bei uns nicht angewendet, sollen aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden:
Rhizotomien: Unter Vollnarkose wird die den Schmerz wahrnehmende Nervenwurzel aufgesucht und komplett durchtrennt. Dies führt neben der sofortigen Schmerzfreiheit allerdings auch zu einem Verlust der restlichen sensiblen und motorischen Funktionen der Nerven. Dieses Verfahren wird nur bei sehr speziellen Indikationen angewandt, dort jedoch in der Regel mit sehr gutem Erfolg.
Perkutane zervikale Chordotomie
DREZ-Läsion
Implantation einer Medikamentenpumpe
Die Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung erfolgt über Schmerzbahnen des zentralen Nervensystems. Durch Gabe eines Schmerzmedikamentes direkt in das Nervenwasser, welches Gehirn und Rückenmark umspült, kann mit geringsten Medikamentendosen eine vielfach bessere Schmerzlinderung erreicht werden als bei hochdosierter konventioneller Schmerzmedikamentengabe (Tabletten, Pflaster, Spritzen). Darüber hinaus ist eine kontinuierliche und gleichmäßige Medikamentengabe gewährleistet.
Unter Voll- oder Teilnarkose wird ein dünner Katheter vom Rücken aus in den Wirbelkanal gelegt. Die Medikamentenpumpe wird im Bauchbereich unter der Haut plaziert. Der Katheter wird unter der Haut getunnelt und mit der Pumpe verbunden. Es können computergesteuerte oder durch Gasdruck arbeitende Pumpen implantiert werden. Dies wird individuell entschieden.
Bei den computergesteuerten Pumpen kann sowohl der Arzt als auch der Patient über eine Fernbedienung die Dosis des Medikamentes einstellen. Gasdruckpumpen arbeiten mit einer vorgegebenen Flussgeschwindigkeit. Die Konzentration des Medikamentes bestimmt die Tagesdosis. Mit Hilfe dieser Pumpen wird also kontinuierlich das Schmerzmedikament verabreicht. Der Patient stellt sich regelmäßig in ein- bis dreimonatigen Abständen zur Auffüllung der Pumpe in der Schmerzsprechstunde vor. Die Auffüllung erfolgt mit einer Spritze durch die Haut hindurch.
Medikamentenpumpen werden zur Behandlung schwerster Tumorschmerzen, aber auch bei gutartigen Erkrankungen, die zu chronischem Schmerz führen, implantiert. Ferner kann eine schwere Spastik durch eine derartige Medikamentengabe positiv beeinflußt werden.
ALTERNATIV
Sind bei einem Patienten aufgrund von Verschleiß oder nach mehreren Wirbelsäuleneingriffen chronische Schmerzen entstanden, die durch Medikamente nicht mehr oder aufgrund der Nebenwirkungen der Medikamente (z.B. von Morphium) nicht sinnvoll behandelt werden können, kann die Implantation einer sogenannten Medikamentenpumpe erforderlich werden.
Nachdem eine Testblockade in den Wirbelkanal hinein eine gute Wirksamkeit des Medikaments gezeigt hat, wird im Rahmen einer ambulanten Operation in Vollnarkose ein kleiner Katheter in den Wirbelkanal eingeführt und zwar in den Raum, in dem sich das Gehirnwasser, der sogenannte Liquor cerebrospinalis, befindet. Dieser Katheter wird im Unterhautfettgewebe bis zum Mittelbauch geleitet und dort wird dann die Medikamentenpumpe implantiert.
Diese Pumpe ist durch die Haut von außen telemetrisch zu programmieren und mittels einer kleinen Nadel alle dreißig Tage (je nach Medikamentenbedarf) zu füllen. Kontinuierlich wird nun das Medikament, in den meisten Fällen Morphium, in einer 500 bis 1000fach schwächeren Dosis, als bei Tablettenaufnahme nötig, in die Rückenmarksflüssigkeit direkt an die Nervenwurzeln abgegeben und kann so fast nebenwirkungsfrei zu einer weitestgehenden Beschwerdefreiheit führen. Die Pumpe muß bei Batterieerschöpfung ca. alle 6-8 Jahre gewechselt werden.
Elektrostimulationsverfahren DCS
Synonyme: DCS (dorsal colum Stimulation), SCS (Spinal Cord Stimulation), Hinterstrangsstimulation, Neuromodulation
Bewährte Indikationen sind:
-> FBSS "failed back surgery syndrom", Schmerzen nach Operationen der Wirbelsäule
-> CRPS "complex regional pain syndrom" (früher Reflexdystrophie, Kausalgie oder Morbus Sudeck)
-> Phantomschmerz, postherpeutische Neuralgie, periphere Neuropathie, traumatische Rückenmarksverletzung)
-> Angina pectoris
-> PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
Mit Stimulationselektroden können periphere Nerven und auch das Rückenmark stimuliert werden, um chronische Nervenschmerzen zu lindern. Durch die von der Elektrode ausgelöste Nervenreizung wird der Nervenschmerz verdrängt. Dieser Effekt hält auch über die Stimulationsphase hinaus an.
In einem Testverfahren wird zunächst der Stimulationseffekt beobachtet. Bei positivem Ergebnis kann ein Stimulationssystem, das in gewissen Grenzen vom Patienten selbst gesteuert wird, implantiert werden. Diese Art von Eingriff muß nicht in Vollnarkose durchgeführt werden. Es gibt computergesteuerte, implantierbare Geräte oder solche, die außen getragen und manuell eingestellt werden.
Bei dem ambulanten Eingriff wird in örtlicher Betäubung mittels eines ca. 4 cm langen kleinen Schnittes im Bereich der Lendenwirbelsäule eine Sonde auf die Rückenmarkshaut im Wirbelkanal geschoben und unter Stimulation und Mitarbeit des Patienten so plaziert, dass die Nervenwurzel und somit das zugehörige Schmerzareal erreicht werden. Der Schmerz wird durch eine individuell einstellbare, elektrische Stimulation gelöst. Hierdurch verspürt der Patient ein feines Kribbeln, welches in den meisten Fällen als sehr angenehm empfunden wird. Dadurch wird die Nervenfaser so blockiert, daß der Schmerz nicht mehr fortgeleitet werden kann. Zusätzlich wird der Körper angeregt, körpereigene Endorphine (schmerzstillende Substanzen) zu produzieren.
Die Sonde wird eine Woche lang auf Erfolg getestet. Der Patient kann verschiedene Stromstärken zu Hause einstellen und bei optimalem Erfolg wird in einem zweiten Eingriff in Vollnarkose die Sonde mit einem durch die Haut zu programmierenden Impulsgeber (telemetrisch) verbunden. Dieses Gerät wird in das Fettgewebe des Mittelbauchs implantiert. Das Gerät ist vom Patienten über einen Magneten ein- und auszuschalten und in der Stimulationsstärke den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Ärztlicherseits besteht die Möglichkeit einer Programmierung durch die Haut hindurch (Telemetrie), so daß lediglich nach mehreren Jahren nach Batterieerschöpfung ein örtlicher Eingriff im Mittelbauchbereich zum Batteriewechsel notwendig werden kann.
Die neueren Stimulatoren sind akkubetrieben und können durch die Haut hindurch geladen werden.
Implantation:
Hierzu wird in einer Testphase initial auf der rechten Seite eine Probeelektrode in Lokalanästhesie epidural appliziert. Der Patient wird dann einige Tage mit einem externen Probestimulator versorgt; es erfolgen mehrfache Austestungen, um den Erfolg der Methode zu verifizieren. Nach etwa drei Tagen wird die Probeelektrode entfernt. Bei positivem Ansprechen auf die Neurostimulation wird der entgültige Stimulator bereits nach wenigen Wochen in Allgemeinnarkose implantiert.
Aufgrund unserer Erfahrung bevorzugen wir Systeme mit wieder aufladbarer Batterie, weil diese über Standzeiten von über 20 Jahren verfügen, wesentlich kleiner und durch die Verwendung einer höheren Energiedichte auch deutlich leistungsstärker sind.
Risiken:
Die Risiken der Methode sind gering wie z.B. Infektionen
Gelegentlich wird ein Wandern der Elektrode beobachtet, so dass der Behandlungserfolg nachlässt.
Selten sind heute technische "Gebrechen" wie Elektrodenbrüche und Isolationsdefekte.
Links:
Leitlinien der Fachgesellschaft



