Schmerzen
Definition:
Die International Association for the Study of Pain definiert Schmerz folgendermaßen:
„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache.“
Diese Definition ist fast schon historisch, heute wird Schmerz als komplexer bio-psycho-sozialer Zustand verstanden.
Oder besser: Schmerz ist das, was der Patient als solchen empfindet.
aus Wikipedia [LINK]:
Man kann Schmerz grundsätzlich in akut und chronisch kategorisieren.
Akuter Schmerz ist ein zeitlich limitierter Schmerz (akut), der als Reaktion auf die oben erläuterte Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung wahrgenommen wird. Akuter Schmerz hat den Charakter eines Warn- und Leitsignals, das auch wegweisend zur Diagnose der Ursache sein kann. Nebst einer allgemein wirksamen analgetischen Therapie ist die aus der Diagnose folgende Kausaltherapie entscheidend sowohl zur Behandlung der auslösenden Ursache als auch zur Schmerztherapie.
Chronischer Schmerz ist ein zeitlich länger andauernder Schmerz, wobei der genaue Zeitrahmen unterschiedlich definiert wurde, typischerweise drei bis zwölf Monate. Länger dauernde Schmerzen können sich in ein chronisches Schmerzsyndrom mit eigenem Krankheitswert entwickeln. Die Schmerzen haben dann ihre Leit- und Warnfunktion verloren. Diese Schmerzkrankheit ist neben den organischen auch durch die daraus folgenden psychosozialen Veränderungen definiert, die in die integrative Schmerzbehandlung einfließen müssen. Chronische Schmerzen haben - im Gegensatz zu akuten - fast nie nur eine einzige auslösende oder unterhaltende Ursache, sie sind multikausal. Die Behandlung mit typischen Analgetika alleine ist für chronische Schmerzen nicht ausreichend.
Schmerzgedächnis
Nervenzellen können lernen. Wenn wir ein Gedicht auswendig lernen wollen müssen wir es ständig widerholen; wenn Schmerzen immer wieder auftreten werden auch diese Lernvorgänge auslösen.
Akute Schmerzen sind überlebenswichtig, sie bewahren uns vor Schaden. Bei immer wieder auftretenden Schmerzen lenkt das Gehirn seine Aufmerksamkeit darauf: Da ist irgendetwas nicht in Ordnung, da muss ich mal genauer hinschauen. In der Folge wird die Schmerzschwelle am Ort der Schmerzen erniedrigt, die Schmerzimpuls zum Hirn anderen Impulsen vorgezogen und schneller zum Hirn geleitet. Und auch das neuronale Netzwerk im Hirn ändert sich: so werden schmerzhafte Areale auf der Hirnoberfläche größer repräsentiert.
Mit der Zeit kann es vorkommen, dass es keine Ursache für den Schmerz mehr gibt, die Schmerzen aber weiter wargenommen werden. Ähnlich wie bei einem Ohrwurm, der sich auch im Hirn festgesetzt hat. So können dann normale Berührungen als schmerzhaft empfunden werden oder der Schmerz breitet sich auf andere Körperregionen aus.
Das System ist dann mit einem übersteuerten Verstärker zu vergleichen, wo kleine Geräusche berits eine massive Übersteuuerung auslösen.
Neurowissenschaftler kennen die zugrundeliegenden molekularen und zellbiologischen Zusammenhänge:
- Änderung des neuronalen Netzwerkes
- biochemischen Veränderunge der Nervenzellen und der Synapsen
- Anpassung der Schmerzsensoren
Ganz wichtig: Die Ausbildung eines Schmerzgedächtnis ist etwas ganz normales, manche Personen sind aber bevorzugt davon betroffen. Sicher hat es nichts mit einer erhöhten Empfindlichkeit (Weichei) zu tun. Auch "stellt sich keiner an", der unter chronischen Schmerzen leidet.
Chronischer Schmerz
Definition: Schmerz ist eine komplexe Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist, als chronischer Schmerz diesen aber verloren hat und in diesem Fall (als Chronisches Schmerzsyndrom) heute als eigenständiges Krankheitsbild gesehen und behandelt werden soll.
Diagnostik:
Wie Sie sehen gibt es viele verschiedene Schmerzarten. Für die genaue Differenzierung setzten wir den "Deutschen Schmerzfragebogen" ein, der ausgewerten und gemeinsam mit Ihnen besprechen wird. Hiermit ist die derzeit beste Schmerzklassifizierung möglich um Ihnen eine optimale Therapie zu bieten.
Er wurde in jahrelanger Optimierung von den führenden deutschen Fachgesellschaften DGS und DGSS entwickelt. [LINk]
Etwa 11 Millionen Deutsche über 18 Jahren leiden unter chronischen Schmerzen.
Die Ursachen für chronische Schmerzen können vielfältig sein, die häufigsten sind: Chronische Gelenkschmerzen: bei rheumatischen Erkrankungen (Morbus Bechterew, Primär chronische Polyarthritis, u.v.a.) Schmerzen, die vom Bindegewebs- und Muskelapparat ausgehen (z.B.: Fibromyalgie, Myopathien, u.v.a.) Chronische Kopfschmerzen: (Cluster, Migräne, Hemicranie, etc.) Phantom- und Stumpfschmerz nach Extremitätenverletzungen und Amputation Schmerzen durch chronische Nervenreizung oder -schädigung: hierzu gehören Engpaßsyndrome (Karpaltunnel, Sulcus ulnaris), Nerventumore, Nervenverletzungen, narbige Nervenschäden nach Operationen, Entzündungen usw.. Tumorschmerzen: Tumore können durch den Befall innerer Organe, des Knochens und der Nerven zu stärksten Schmerzen führen. Unsere Praxis verfügt über eine große Kompetenz in der Schmerztherapie mit dem Schwerpunkt Rückenschmerz.
Unser Ziel ist es, den Patienten eine optimierte Schmerztherapie zukommen zu lassen. Wir verschaffen uns hierzu zunächst ein genaues Bild von der Erkrankung jedes einzelnen Patienten. Es wird dann geprüft, welche Behandlungen bisher erfolgt sind, ob diese optimal durchgeführt wurden und ob eine neurochirurgische Behandlung nötig ist oder aber eine andere Fachdisziplin der richtige Ansprechpartner ist. Bei der Therapie chronischer Schmerzen, stehen wir in engem Kontakt und wissenschaftlichen Austausch mit Kollegen der Orthopädie, Neurologie, Anästhesie und Medizinischen Psychologie. Wir nehmen etwa 2-wöchentlich an mehreren interdisziplinären Schmerzkonferenzen teil, die für alle Fachdisziplinen der Medizin offen stehen. Im diesem Rahmen können wir Ihren Fall vorstellen, Sie erhalten in kurzer Zeit die Meinung von Ärzten der verschiedensten Fachdisziplinen. Sollte im konkreten Fall eine neurochirurgische Behandlung möglich und sinnvoll sein, können wir ein breites Spektrum unterschiedlichster Therapieverfahren anbieten.
neurochirurgische Schmerztherapie
Schmerz ist, sei es akut oder auch chronisch, ist das häufigste Symptom der Krankheitsbilder, die dazu führen, daß der Patient eine neurochirurgische Praxis aufsucht bzw. an eine solche überwiesen wird. Einige dieser Krankheitsbilder führen letzten Endes zu einer Operation, wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen ausgeschöpft oder wenn gravierende neurologische Ausfälle vorhanden sind. Es handelt sich hierbei z.B. um chronische wie akute HWS, - BWS,- und LWS-Syndrome mit Nacken- Hinterkopfbeschwerden, Nacken- Schulter- Armschmerzen, Rückenschmerzen mit und ohne Ausstrahlung ins Bein. Ferner handelt es sich auch um die Einklemmungssyndrome peripherer Nerven, entweder primär oder auch nach chirurgischen Eingriffen.
Neben einer Akupunkturbehandlung, die an anderer Stelle beschrieben wird, bieten wir in unserer Praxis spezielle Infiltrationen bzw. Blockadespritzen an, die im folgenden kurz beschrieben werden:
a) Blockaden (Infiltrationen) peripherer Nerven an Narben verschiedener operativer Eingriffe oder auch z.B. am Fuß bei einer sogenannten Morton-Metatarsalgie, die Schmerzen an der Sohle verursacht.
b) Spinalnervblockaden (paravertebrale Infiltrationen, Reischauer-Blockaden): Es handelt sich hierbei um spezielle, gezielte Blockaden sowohl an den Gelenkfacetten als auch am Austritt einer oder mehrerer Spinalnerven aus der Wirbelsäule bei akuten oder chronischen Schmerzsyndrome der HWS, BWS und LWS mit und ohne Ausstrahlung in den Arm bzw. ins Bein.
c) Sakrale Blockaden (Periduralanästhesie): Diese sind spezielle peridurale Infiltrationen, die durch das Einbringen der Nadel in den Kreuzbeinkanal durchgeführt werden. Diese Art der Schmerztherapie hat sich vor allem bei Lumboischialgien (Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein) bewährt.
Durch diese o.g. Schmerztherapiemethoden sind wir nicht nur in der Lage, vielen Patienten zur Schmerzlinderung bzw. Freiheit zu verhelfen, sondern auch sehr oft operative Behandlungen zu umgehen.
Migräne
Neben der Medikamentösen Therapie, die sich in Akuttherapie und Prophylaxe gliedert, finden die Leitlinie [LINK] Anwendung.
Akupunktur:
Mittlerweile liegt eine Reihe z. T. multizentrischer Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Migräne vor. Da es keine Nebenwirkungen gibt empfielt sich in jedem fall ein Therapieversuch.
Botulinustoxin:
Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Neurologie:
"Botulinumtoxin A ist zur Migräneprophylaxe der episodischen Migräne nicht wirksam . Es fehlen große randomisierte Studien zur Wirksamkeit der Behandlung der chronischen Migräne."
Prof. Göbel schreibt dazu in seinem Buch Kursbuch Migräne:
"In den vergangenen Jahren wurden mehrere kontrollierte Studien zur prophylaktischen Wirksamkeit von Botulinum Toxin A bei Migräne veröffentlichet. Die Autorengruppe um den amerikanischen Neurologen Silberstein konnte eine bedeutsame Abnahme der Häufigkeit von Migräneattacken, eine Abnahme der durchschnittlichen Schmerzintensität, eine Abnahme der Tage mit Erbrechen sowie eine Abnahme der Tage mit Akutmedikamentation nachweisen.
Weitere Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Signifikante Nebenwirkungen wurden nicht beschrieben, und die Wirkung hielt nach einmaliger Injektion über drei Monate an."
Letzendlich werden Studien benötigt, die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Unsere Erfahrungen mit Botulinis sind gut. Dieses Verfahren wird durch uns angeboten.
Nervus occititalis Stimulation:
Verfahren ähnlich dem zur Rückenmarksstimulation.
Hierzu wieder die Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Neurologie [LINK]:
"Die bilaterale Stimulation des N. occipitalis major ist eventuell erfolgreich bei medikamentenresistenten chronischen Clusterkopfschmerzen; alternativ kann auch die wiederholte Injektion von Kortikoiden und Lokalanästhetika an den N. occipitalis major versucht werden. "
Dieses Verfahren wird durch uns angeboten.
